Exkursion Dora

Lebendig begraben
Am 27.01.10 besuchten die Klassen 9a, 9b und 10 die Konzentrationslager-Gedenkstätte Mittelbau-Dora in der Nähe von Nordhausen in Thüringen. Da wir die Zeit des Nationalsozialismus gerade im Geschichtsunterricht behandelt hatten, waren wir sehr daran interessiert einmal zu erfahren, was es wirklich bedeutet hat, in einem Konzentrationslager wie ein Tier eingesperrt, erniedrigt und misshandelt zu werden.
Hier wurden zwischen August 1943 und März 1945 60.000 Häftlinge (in der Mehrzahl Russen, Polen und Franzosen) zum Bau von Raketen für den Angriffskrieg der Nazis auf England hin verschleppt. Sie mussten nicht nur in den Bergstollen unglaublich schwere Arbeit verrichten, sondern dort auch dicht an dicht schlafen. Als sanitäre Anlagen dienten halbierte Ölfässer.
Die Häftlinge wurden durch Hunger, Durst, Kälte, Entkräftung oder brutale Hinrichtungen gequält und getötet. Man geht davon aus, dass insgesamt mindestens 20.000 Häftlinge die Verschleppung in das KZ Mittelbau-Dora nicht überlebt haben. Viele kamen auch bei den Todesmärschen (z.B. in das KZ Bergen-Belsen) nach der Räumung des Lagers im Frühjahr 1945 ums Leben. Wer vor Entkräftung nicht mehr mitkam, wurde hinterrücks erschossen. Ein Überlebender dieser Gewaltmärsche ist André Mouton, nach dem die Realschule in Goslar-Oker benannt ist:
http://www.realschule-oker.de/schule/andre-mouton/index.html
Nach einer Einführung in der Gedenkstätte, in der noch einmal der Wahnsinn der Verfolgung und systematischen Tötung von Andersdenkenden im Nazi-Regime dargestellt wurde, bekamen wir eine realistische Filmsequenz aus dem entsetzlichen Alltagsleben im KZ zu sehen. Danach haben wir uns die Außenanlagen angeschaut. Schließlich sind wir in das Tunnelsystem gegangen, wo einem die herumliegenden V2-Raketentrümmer, die Latrinen und die Reste der Schlafplätze einen ansatzweise realistischen Einblick in das Leben unter Tage bei 8 C vermittelten. Einige unserer starken Jungs konnten auch einmal einen der Gipssteine anheben, um zu spüren, welche Lasten hier bereits 14-jährige 12 Stunden am Tag heben und im Laufschritt transportieren mussten.
Abschließend haben wir uns noch das Museum angeschaut. Hier wird eine Reihe von Lebensläufen der Opfer, aber auch der Täter dokumentiert. Erschreckend fanden wir, wie wenige der SS-Täter nach dem Krieg tatsächlich wegen ihrer Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht gestellt und verurteilt wurden.
Der Besuch der Gedenkstätte hat uns gefühlsmäßig mehr beeindruckt als die Unterrichtsstunden zu diesem Themenbereich.