Zweiradmechanik
Berufsorientierung Zweiradmechanik
Die Klassen 8a und 8b im Fachbereich Zweiradmechanik der BBS Seesen.
An drei Freitagen im Oktober konnten wir im Berufsorientierungsunterricht in das Berufsfeld Zweiradmechanik hineinschnuppern. Dieses Feld teilt sich auf in Zweiradmechanik für Fahrräder und für Motorräder. Da beide achten Klassen zur gleichen Zeit in Seesen waren haben wir Neigungsgruppen klassenübergreifend gebildet. Das heißt einige von uns besuchten Herrn Nähring bei den Fahrrädern und einige Herrn Morsch bei den Motorrädern.
Der Besuch in Seesen war unser erster Block Berufsorientierung. Daher hatten wir zu Beginn Herzklopfen. Was würde uns erwarten, was wird anders als in der Pestalozzischule sein?
Erst einmal ist der Schulweg ein ganz anderer und erfordert schon eine Menge Disziplin. Wir mussten pünktlich am Bahnhof sein, um den Zug nach Seesen nicht zu verpassen. Das ist nicht immer allen gelungen. Vom Seesener Bahnhof aus hatten wir noch gut 15 Minuten zur Schule zu laufen. Glücklicherweise war das Wetter nie wirklich schlecht. Der Rückweg war natürlich das Gleiche. Latschen und pünktlich sein. Hätten wir einen Zug verpasst, hätten wir fast eine Stunde auf den Nächsten warten müssen.
Zu Beginn wurden wir in Seesen durch die Schule geführt. Es ist eine kleine BBS mit nur noch wenigen Schülern. Trotzdem haben uns die Räume beeindruckt. Dort gibt es neben den Zweiradmechanikern, die wirklich alles Material von Ersatzteilen und Prüfgeräten bis zu vielen verschiedenen Fahrrädern, auch Elektrobikes und richtigen „Motorrädern“ in ihren Werkstätten haben, auch Bäcker. Einen eingerichteter Verkaufsladen und eine Backstube mit Knet- und Formmaschine für Brotteig sowie verschiedene Öfen.
Dann mussten wir selbst ran. Die Gruppe mit den Zweiradmechanikern für Fahrräder hat Reifen geflickt. Erst hat Herr Nähring ein Loch hineingestochen, das wir dann flicken sollten. Wie blöd ist das denn? Wir haben schnell gemerkt, dass eine Tätigkeit wie Reifenflicken in diesem Berufsfeld gar nicht so einfach ist. Es gibt sehr viele Fachbegriffe, die man benutzen und lernen muss. Das hat einigen von uns ganz schön die Motivation genommen.
Die Gruppe mit den Zweiradmechanikern für Motorräder durfte in Partnerarbeit Rasenmähermotoren (5 PS) mit Spezialwerkzeug demontieren und anschließend wieder montieren.
Beim zweiten Mal hat die Fahrradgruppe Räder eingespeicht. Ziemlich komplizierte Arbeit, aber die Räder müssen ja auch das ganze Gewicht tragen. Wieder war es schwierig erst alle Erklärungen bis zum Ende anzuhören, aber ohne geht es eben nicht. Beim zweiten Versuch mussten wir diese Arbeitsschritte allein ausführen. Einige Ergebnisse hätten nicht viel ausgehalten. Einstellung der Räder und Behebung von Schlägen haben diesen Tag beendet.
Die Motorradgruppe durfte anfangs „blind“ ausprobieren wie viel Kraft (in Newtonmeter) man aufbringen muss, um das richtige Anziehdrehmoment zu haben. Danach mussten wir von Herrn Morsch absichtlich eingebaute Fehler in den Rasenmähermotoren finden und beheben. Das haben die Teams wirklich gut hinbekommen. Die Fehler waren ganz unterschiedlicher Art. Mal war die Benzinleitung oder der Luftfilter verstopft, mal war die Zündkerze defekt. Die Motivation war sehr hoch. Zum Ende des Tages lernten wir noch, was ein 4-Takt-Motor alles braucht, um fehlerfrei zu funktionieren (Benzin, Öl, Kompression, Luft, Anlasser, Zündfunken).
Am dritten und letzten Tag hat die Fahrradgruppe anhand einer Sprengzeichnung eine Narbenschaltung zusammengebaut. René Volk hat mit kleinen Hilfestellungen dieses sogar blind geschafft. Das war schon eine hohe Anforderung, die er da gemeistert hat, denn viele von uns hatten nicht nur Schwierigkeiten die Zeichnung zu verstehen, sondern auch die vielen Einzelteile richtig zusammenzusetzen, um hinterher eine funktionstüchtige Schaltung zu erhalten.
Die Motorradgruppe durfte in Partnerarbeit an einem „vom Kunden gelieferten Motorrad“ eine Sicherheitsüberprüfung durchführen. Wir mussten die Reifenprofiltiefe messen, den Reifenluftdruck einstellen, die Bremsbeläge und -flüssigkeit prüfen, den Öl- und Wasserstand prüfen, den Akkuladezustand messen, die Lichtanlage, Signaleinrichtung, Antriebskette komplett überprüfen und den Luftfilter prüfen und ggf. reinigen. Alle Arbeitsschritte mussten richtig durchgeführt und anschließend abgehakt werden. Einige Schüler „verguckten“ sich richtig in „ihre“ Motorräder.
Insgesamt war die Berufsorientierung in Seesen spannendes Neuland. Die Schule ist ganz anders als der Unterricht in der Pestalozzischule. Mehr Praxis, aber auch viel Theorie, damit die Praxis überhaupt funktioniert. Man darf als Schüler mehr auf der BBS. Man wird als fast erwachsen angesehen, dafür muss man sich aber auch so verhalten und viel Eigeninitiative zeigen…

















